Interessengemeinschaft

Barock-Festung Berlin  1658-1744


Aktuelle Meldungen

1. Nach 101 Jahren erneut die Festungsmauer gefunden !    03.07.2012



Als wir wegen der angeblichen Festungsreste an der Staatsoper (siehe unten) mit der Berliner Landesarchäologie, Herrn Gunnar Nath, Kontakt aufgenommen hatten, war beiden Seiten sehr schnell klar, dass an der Baustelle Quartier 101 („C&A Grundstück“) direkt neben dem S-Bahnhof Alexanderplatz mit mehr als 90% Wahrscheinlichkeit Reste der Barock-Festung Berlin ans Licht kommen müssten.

Gestern bekam ich ein lapidares E-mail von Herrn Nath: „Sehr geehrter Herr Feist, am Alex liegt eine Festungsmauer offen. Grüße Gunnar Nath“ .
Schon heute ergab sich die Gelegenheit einer Besichtigung. Vielen Dank für die freundliche Zusammenarbeit an die Berliner Landesarchäologie und die Archäologen vor Ort.

Da weitere Funde im Zuge der Bautätigkeit zu erwarten sind, wird die Öffentlichkeit von offizieller Seite etwas später ausführlich informiert werden, hier für unsere treuen Leser ein paar erste Vorab-Informationen, Bilder und Schlußfolgerungen.

1911 Durchbruch U-Bahn-Linie E


Das oben stehende Bild zeigt den „Festungsdurchbruch“ von 1911, beim Bau der U-Bahn in der Grunerstraße, man erkennt die Sandsteinverkleidung des Niederwalls, die Balkenköpfe der eingerammten Pfahlgründung und die darüberliegende Feldsteinschicht zur Fundamentierung. Die Sandsteinverkleidung diente als (Hoch)-wasserschutz gegen Abspülungen des Erdwalls durch das Spreewasser der Gräben, deutlich zu sehen ist die Lage und Funktion dieser Verkleidung auf der Darstellung von J. Stridbeck´schen Darstellung    "Das Leipziger Tor"   (anklicken)



1911 Wallschnitt


Nach dem damaligen Grabungsbefund konnte eine
Rekonstruktion der Wallstruktur erarbeitet werden,
die unser zweites Bild zeigt.






















Auf dieser Planüberlagerung eines Stadtplanes von 1915 mit einem Festungsgrundriss ist die damalige Fundstelle (gelb umrandet) und die heutige Fundstelle (roter Kreis) eingetragen. (Plan in Farbfassung SenBauWo 2002)

Plan 1915


Gefunden wurde ein Stück des Niederwalles, hier die enstprechende Stelle auf dem sog. Lindholz-Plan, dem vermutlichen Original-Bauplan von Gregor Memhardt. Es ist die Bastion Nr. 10., das Siebenburgische Bollwerk oder später "Marienbastion" genannt,
zu den Bastionen siehe hier

memhardt 1


... was vermutlich gefunden wurde, nach dem mündlichen Bericht der Archäologin vor Ort ...

memhardt 2


Hier ein Foto des Wallstückes (in situ), von den vor Ort grabenden Archäologen von AAB-Berlin.
In der zweiten Schicht von unten, ganz links, sieht man das S-Zeichen.

Marienbastion


Ich konnte heute nur noch die geborgenen Steine am Rande der Baugrube besichtigen….

steinhaufen


Schön zu erkennen: eine scharfkantiger, sehr exakt behauener Stein mit einem Steinmetzzeichen (?) in S-Form.

S-Zeichen


Es handelt sich um hochwertigen Sandstein, wie diese Aufbruchstelle zeigt.

Steinqualitaet


Was kann der Fund uns jetzt schon sagen:

- Die Festungsmauer wurde diesmal nicht, wie so oft in der Vergangenheit, „zufällig“ gefunden, sondern planvoll erwartet.

- Es sind sowohl kurze Stücke der Kurtine und der Flanke gefunden worden, deren Winkel-Lage eindeutig ist; zusammen mit der Sandsteinverkleidung sind sie nur als Niederwall-Situation zu interpretieren. Damit dürften die Zweifel an der Existenz eines Niederwalls in der Berliner Fortifikation endgültig ausgeräumt sein.

- Die Lage der Fundstelle bestätigt meine Überzeugung, dass die Berliner Hochbahnstrecke der S-Bahn auf dem äußeren (feldseitigen) Rand des Wassergrabens erbaut wurde.

- Der Hauptwall hat sich nicht nachweisen lassen, aber noch ist die Arbeit ja auch nicht beendet, vielleicht finden sich sogar in tieferen Schichten noch Hinweise auf den Wassergraben vor dem Niederwall…

Selbstverständlich wurde auch hier das Holz der Gründungspfähle gefunden….

holz 1


holz 2






2. Festungsreste an der Staatsoper-Baustelle ???

Als die Meldungen durch die Berliner Presse gingen,
haben wir selbstverständlich aufgehorcht; aber wir waren auch von Anfang sehr skeptisch, denn wie die unten stehende Planüberlagerung zeigt,
planueberlagerung
steht die Oper "im Graben" - das heißt, dass betreffende Areal der Baustelle liegt vor dem (niederen)Festungswall, deshalb war es sehr unwahrscheinlich, dass die dort im Boden gefundenen Hölzer wirklich zur Pfahlrostgründung der Festungswälle gehörten.



brueckenplan
Wie dann die Begehung der Baustelle mit einem Mitarbeiter der zuständigen Grabungsfirma ARCHAÖ-KONTRAKT ergab, liegen die acht Bohrlöcher östlich der Staatsoper, in denen Holzreste aufgefunden wurden, vielleicht an der Stelle einer ehemaligen Brücke über den "Grünen Graben".

Es handelt sich um den mehrfach rückgebauten (verkleinerten) Wassergraben vor dem Festungswall. Da dieser ohne Anschluss an ein fließendes Gewässer war, sonderte in den Sommermonaten durch verfaulendes Grünzeug unangenehme Gerüche ab, weshalb er "stinkeriger Graben" genannt wurde.

























In den Bohrlöchern wird das Holz stark zerfasert, weshalb eine dendrochronlogische Datierung nicht möglich sein wird.

holzreste